Nienhagen Da, wo andere Urlaub machen, arbeitet Bianca Katt – aber eben genauso, wie Urlauber ihre Ferien verbringen. „Wenn ich eine neue Wohnung in mein Programm aufnehme, schlafe ich erst mal eine Nacht darin und probiere alles aus“, sagt die 34-Jährige, die seit 2003 Ferienwohnungen im Ostseebad Nienhagen und Umgebung verwaltet. Denn nur so, meint sie, könne sie auch erkennen, welche Einrichtungsgegenstände in dem Domizil fehlten, wie hoch der Geräuschpegel sei oder ob genügend Rollos vorhanden wären. Denn Urlauber seien in ihren Ferien meist viel anspruchsvoller als zu Hause, meint auch Astrid Gatzke vom Tourismusverband Mecklenburgische Ostseeküste (TMO). „Die Gäste erwarten wesentlich mehr Komfort als in ihrer eigenen Wohnung“, erzählt die 39-Jährige. Doch Vermieter stellten sich manchmal quer. „Viele denken, das alte Bett aus Omas Zimmer, die Couch von den Kindern und noch ein paar andere ausrangierte Möbel reichen aus – vor allem, wenn die Ostsee direkt vor der Tür liegt“, sagt sie. Weil viele Urlauber ihre Ferien nicht einfach drauflos buchen möchten, können Vermieter mittlerweile– wie in Hotels schon üblich – mit Sternen glänzen. Der Deutsche Tourismusverband (DTV) klassifiziert seit 1994 Gästeunterkünfte. 66 000 Vermieter von Ferienwohnungen, -häusern sowie Privatzimmern bundesweit haben bisher an dem Check teilgenommen. „Nur wer bestimmte Mindestanforderungen erfüllt, kann auch beurteilt werden“, sagt Gatzke, die die Klassifizierung vornimmt. Auch an der Mecklenburgischen Ostseeküste wollen immer mehr Vermieter einen oder mehr Sterne für ihre Unterkünfte haben – an 50 Objekten leuchten die gelben Symbole bereits, im gesamten Bundesland sind es über 5700 klassifizierte Objekte. „Das Angebot ist so groß, dass Kunden schnell den Überblick verlieren– da ist so ein Bewertungssystem hilfreich“, berichtet die Touristikerin Gatzke. Drei Jahre ist so ein Klassifizierung gültig, danach wird neu geprüft. Auch im Internet ist die Bewertung einsehbar. Und Feriengäste, die gute oder schlechte Erfahrungen weitergeben möchten, können dies ebenfalls im Netz tun – damit künftige Besucher schon einen ersten Überblick über das Domizil bekommen. Um fünf Sterne zu bekommen, müssten Vermieter aber mehr sein als nur Vermieter, meint Bianca Katt. „Sie müssen Gastgeber sein – auch mal einen Grillabend organisieren, Ausflugstipps geben, bei Bedarf einen Arzt suchen.“ Der Gast sei so zufriedener – und empfehle Zimmer und Region weiter. 20 Wohnungen verwaltet die gebürtige Usedomerin bislang. Doch nicht irgendwelche Häuser und Appartements– exklusive Immobilien sollten es sein. „Ich würde mich in Grund und Boden schämen, müsste ich meinen Gästen schäbige Möbel und abgewetzte Couchen anbieten“, sagt sie. „Ist der Gast unzufrieden, auch wenn nur ein kleines Detail nicht stimmt, dann erzählt er es zehn Leuten weiter – und die kommen dann nicht“, weiß Astrid Gatzke. ANNEKATHRIN STAUB